ORFEO

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Projekt

I N H A L T
Die junge Eurydike ist verschwunden. Sie wird in Syrien gesehen, mitten im zerbombten Kriegsgebiet. Ist sie etwa freiwillig dort? Ihr junger Liebhaber Orfeo macht sich auf die Suche. Dort angekommen trifft er auf Al Mustafa, der seine Familie nach Europa geschickt hat, selbst aber zu alt ist für die Flucht und nun auf den Tod wartet. Entgegen der Ratschläge des Alten folgt Orfeo der Liebsten in das Verderben. Wird er sie in den zerstörten Städten zwischen all den Toten finden?

B O T S C H A F T
Viele Menschen flüchten vor dem Krieg ins sichere Deutschland. Sie nehmen unglaubliche Hürden auf sich um hier anzukommen. Trotzdem gibt es immer wieder junge Menschen, die sich entscheiden, freiwillig nach Syrien zu gehen, um sich dem IS anzuschließen. Was treibt sie an? Trotz einer aktuell massiven Rückkehr populistischer und nationaler Debatten zeigt sich, dass kulturelle Eindeutigkeit innerhalb einer globalisierten Welt eine Illusion ist. Musik baut eine Brücke zwischen den Kulturen. Durch diese Entgrenzung bekommt der Mensch wieder die Möglichkeit, als Individuum wahrgenommen zu werden.

A N A L O G I E N
Eurydike wird von einer Schlange gebissen und stirbt. Die Schlange einerseits als Symbol für das Falsche, Hinterlistige und Böse, andererseits das Symbol für Lebenskraft, Anfang und Ende. Ist der Schlangenbiss Eurydikes Utopie? Der IS ist ein totalitärer und reaktionärer Gottesstaat, er geht dabei gegen Humanität, Aufklärung und Menschenrechte vor. Trotzdem findet er immer wieder Anhänger die ihm bis in den Tod folgen und verspricht ihnen damit Unsterblichkeit. Die Unterwelt ist ein Ort des Übergangs, eine Transitzone. In der griechischen Mythologie wandern die Seelen dort umher auf der Suche nach Vergebung und warten auf eine Reinkarnation. Auch die zerbombten Städte in Syrien sind Transitzonen. Ehemalige Bewohner fliehen vor dem Krieg, Gotteskrieger marschieren ein, Häuserskelette und Dauerbeschuss lassen eine neue Unterwelt entstehen.

P R O B E N P R O Z E S S
In gemeinsamer Arbeit mit allen Protagonisten wird der Stoff sensibel aufgearbeitet und zu einer stimmigen Collage zusammengefügt. Dabei ist Raum für die einzelnen Geschichten der Beteiligten und deren individuelle Erfahrungen mit dem Thema. Allen Beteiligten wird eine Begegnung auf Augenhöhe gewährt, die zu einem fruchtbaren Perspektivwechsel führen kann. Musik dient als gemeinsame Grundlage, das Musizieren und Spielen in der Gruppe ist allen Kulturen zu eigen. Im Rahmen der vierwöchigen Probenphase soll so eine transkultureller Raum zumindest temporär verwirklicht werden.

B Ü H N E N K O N Z E P T
Das Hofspielhaus München. Ein schlichter schwarzer Raum und ein paar Blechcontainer. Variabel bespielbar. Artefakte des Krieges oder Wohlstandsmüll? Videoprojektionen schaffen zusätzliche Erzähl-Ebenen. Graue Mäntel und Koffer lassen eine Schattenwelt entstehen, zwischen Leben und Tod, zwischen Krieg und Frieden.

M U S I K U N D T E X T
Eine Collage aus Vertonungen und Texten schafft die Grundlage für diese Neuinterpretation des Stoffes. Dazu gehören Stücke aus den Bearbeitungen von Claudio Monteverdi, Carl Heinrich Graun, Christoph Willibald Gluck und Joseph Haydn. Die Sprecher und Al Mustafa zitieren Passagen aus Büchern von Khalil Gibran: Der Prophet, Abu Temmam: Hamâsa, Orhan Pamuk: Das schwarze Buch und Frauen für den Dschihad, das Manifest der Khanassaa-Brigade, eine rein weibliche Einheit der Terrororganisation IS, es beschreibt den Alltag und die Rolle der Frauen im selbsternannten Kalifat.
„Wollt ihr wirklich den Geist des Todes erkennen, öffnet euer Herz weit für den Körper des Lebens. Denn eins sind Leben und Tod, sowie der Fluss und das Meer eins sind.“ (Der Prophet)
„Trennung war, als war sie nie, wenn wir neu uns sehen; Aber solch ein Wiedersehen wann wird mir’s geschehen“ (Hamâsa)
„Warum verwirrt uns ein tränenüberströmtes Männergesicht? […] Es ist, als sei für diesen Mann das Ende der Welt gekommen oder als sei er am Ende seiner Kräfte.“ (Das schwarze Buch)
„Aus dem Märchen der »Gleichberechtigung« zwischen Frau und Mann ernteten die Frauen letztendlich nur Dornen…“ (Frauen für den Dschihad)

B E G E G N U N G S F O R M A T
Vor der Oper werden sich Papiere mit Fragen auf den Sitzen befinden, damit das Publikum ins Gespräch kommt. Wir werden Freikarten an Geflüchtete verschenken und sie unter das Publikum mischen. Das Hofspielhaus ist mit seinen 60 Plätzen prädestiniert für ein Begegenungsformat. Eine Einführung über die Arbeit wird die Leute sodann abholen. Nach der Oper wollen wir die vierte Wand brechen und von der Bühne aus mit dem Publikum ein Gespräch führen. Walaa und Wisam Kanaieh haben sich fragen überlegt, die sie dem Publikum stellen wollen wie „Wie fühlt sich Diktatur an?“, „ Seid Ihr stolz auf Euer Grundgesetz und warum?“, „ Was erwartert ihr hat die Chance die Geflüchteten näher kennen zu lernen, die Verhältnisse in ihrem Heimatland, die Umstände die zu der Flucht geführt haben, Erlebnisse während der Flucht, wie das Ankommen in Deutschland empfunden wurde und welche Erwartungen sie an Deutschland und die Menschen dort haben. Die intime Atmosphäre des Hofspielhauses ist bestens geeignet für die Begegnung zwischen verschiedenen Kulturen. Getreu dem Motto: „Alles darf, nichts muss.“

P R O J E K T Z I E L E
- Friedensarbeit und Völkerverständigungsarbeit durch Musik
- Leistung eines Beitrags zur Willkommenskultur und Dialog in der Gesellschaft
- Musik als Brücke jenseits von Sprache, Religion und Kultur
- Schaffung einer zeitgemäßen Deutung des Mythos „Orfeo“, in der Archaik und gesellschaftliche Analyse in sinnliche Hörbilder werden   können mit einem multinationalen, polylingualen Ensemble
- Stärkung von Frauen
- Oper in die Gesellschaft tragen

 

Projektpartner

I N I T I A T O R E N
Die erstmalige Zusammenarbeit der unterschiedlichen Akteure und Organisationen fühlt sich überaus organisch an. Das Hofspielhaus unter der Leitung von Christiane Brammer bietet mit seiner offenen und toleranten Spielplangestaltung die perfekte Bühne für dieses Projekt. Die Idee dazu stammt von Cornelia Lanz, sie initiierte 2014 mit wichtigen Akteuren aus der Musikszene den Verein Zuflucht Kultur e.V. um über Musik und Kultur Brücken zu schlagen, im Dialog zu sein und um für Antirassismus und Völkerverständigung im Weitesten Sinne zu emotionalisieren. Annette Lubosch hat das inhaltliche Konzept entwickelt und wird die Inszenierung übernehmen. Sie ist seit etlichen Jahren fester Bestandteil der Münchner Künstlerszene und hat bereits mehrere Regiearbeiten verwirklicht.

                

AUFFÜH RUNGEN

Premiere: Mittwoch,  14. März 2018 um 20 Uhr
Weitere Aufführungen:
Freitag, 16. März 2018, 20 Uhr
Dienstag, 20. März 2018, 20 Uhr
Mittwoch, 21. März 2018, 20 Uhr
Freitag, 06. April 2018, 20 Uhr
Samstag, 07. April 2018, 20 Uhr
Donnerstag, 12. April 2018, 20 Uhr
Freitag, 13. April 2018, 20 Uhr

Team

Orfeo: Cornelia Lanz (Mezzosopran, Geige)
Eurydike: Sela Bieri (Sopran)
Al Mustafa: Ayden Antanyos (irakischer Schauspieler)
Al Mitra: Wisam Kanaieh
Amor: Walaa Kanaieh
Pluton: Omar Al Masalmah
Charon: Maher Hamida
Musik. Leitung/Cembalo: Carlos Dominguez-Nieto
Cello:Franziska Brandis / Thomas Ruge
Regie: Annette Lubosch
Bühne/Kostüm: n.n.
Maske: Abeer Yasin
Dramaturgie: Sascha Fersch
Licht/Installation:  Simon Riegel 
Abendspielleitung: Verena Mittermeier
Produktionsleitung: Cornelia Lanz