Abbas, Ahmad | Syrien | Sprecher | "Chor Zuflucht" in Idomeneo

16.06.2016 23:52

Ahmad Abbas wurde 1995 in Al-Qusayr, Syrien geboren und kam vor vier Jahren nach Deutschland. Er leitet den Syrischen Friedenschor in München, der aus dem Chor Zuflucht hervorgeht. Mit Musik wirbt er für Verständnis für seine Situation. „Wir hatten alles und haben alles verloren“, sagt er. „Mit dem Singen kann ich zeigen, was mir wehtut.“ Er versucht, seinen syrischen Freunden im Singen einen Inhalt zu geben und sie von der Monotonie und Depression, die in Flüchtlingsheimen herrschen, abzulenken. Er hält den Chor mit viel Energie zusammen und organisiert mit viel Engagement Reisen und Proben. Er sprach auf vielen Podien, u.a. im Bayerischen Landtag, auf einem Parteitag und in Schulen, und sang beim Bürgerfest 2015 des Bundespräsidenten in Berlin über Syrien und seine Geschichte und schlägt dabei eine Brücke zwischen Geflüchteten und in Deutschland Lebenden. In Mozarts Zaide. Eine Flucht. von Zuflucht Kultur spielte Ahmad Abbas am Theater Augsburg, Pforzheim, München u. a. eine Solorolle. Er hat einen Ausbildungsplatz als Medizinfachangestellter bekommen. 

Interview: Cornelia Lanz

Monolog: Als ich aufgewacht bin, war alles weiß. Die Decke war weiß und die Lichter waren weiß. Ich dachte: Bin ich im Paradies, oder wo bin ich? Die Laken waren weiß und die Kleidung der Ärzte und der Krankenschwestern war auch weiß. Der Schnee draußen war weiß und wenn ich nach oben schaute, sah ich über mir einen weißen Münchner Himmel. Ja Allah! Da wusste ich. Weiß, das ist die Zukunft. Meine Zukunft wird weiß sein.

Text: Bernd Schmitt
Foto: Florian Jänicke